Musik darf nicht einfach nur unterhalten. Sie muss eine klare, starke Botschaft haben. Meinen zumindest die Herren aus Red Point, New Jersey, die auf ihrem vierten Album 'Handwritten' für eine bessere USA eintreten. Und sich dabei - musikalisch wie ideologisch – auf traditionelle, uramerikanische Werte beziehen.
Dabei wirken Brian Fallon und seine Jungs wie Typen, mit denen man sich besser nicht anlegt: Ganzkörpertätowiert, mit abgeschabten Klamotten und kleinen, roten Augen, die von zu wenig Schlaf zeugen. Zudem hat das Quartett von der Ostküste allenfalls bescheidene Laune: Seit zwei Tagen hocken sie im Hinterzimmer eines lauten Londoner Pubs und geben ein Interview nach dem anderen. „Das ist ein Zugeständnis an unser neues Label, mehr nicht“, raunzt Fallon. „Beim nächsten Mal werde ich mich nicht mehr darauf einlassen.“ Ob er das durchsetzen kann, dürfte vom Erfolg von 'Handwritten' abhängen. Ein Epos, mit dem The Gaslight Anthem nach sechs Jahren und drei Indie-Alben bei einem globalen Plattenmulti debütieren und unverhohlen in Richtung Charts und Stadien schielen. „Ich habe nie gesagt, dass ich bis an mein Lebensende in winzigen Clubs spielen will. Sondern ich möchte diese Band so bedeutend und groß machen, wie es nur geht“, setzt Fallon an. „Ich will mein Stück vom Kuchen – aber ohne mich zu verbiegen. Auf faule Kompromisse lasse ich mich nicht ein.“
Was man seinem vierten Streich denn auch in jeder Note und jedem Akkord anhört: Die elf Stücke setzen auf erdigen Rawk´n´Roll zwischen Punk und Americana - Springsteen, Social Distortion und The Clash -, wurden von keinem geringeren als Brendan O´Brien (AC/DC, Pearl Jam) produziert und verstehen sich als Hommage an ein neues, besseres Amerika. Eins, das sich vielleicht nicht ad hoc errichten lässt, dessen Ideale man seinen Bürgern aber gar nicht oft und plakativ genug vor Augen führen kann. „Ich bin kein Prediger und kein Weltverbesserer“, so Fallon. „Trotzdem versuche ich die Leute daran zu erinnern, dass es auch anders geht – ohne diese Gier, diesen Hass und diese Engstirnigkeit. Schließlich waren wir mal das demokratischste, liberalste und fortschrittlich denkendste Land der Welt. Dahin müssen wir zurück. Je schneller, desto besser.“
Wie das funktionieren soll, wen sie sich als nächsten Präsidenten wünschen und wie sie zu aktuellen Bewegungen im Sinne von „Occupy Wallstreet“ oder „The Tea Party“ stehen, lässt Fallon dagegen offen. Einfach, weil sie sich nicht instrumentalisieren bzw. einspannen lassen wollen. Sondern, weil es ihnen um Großes im kleinen Rahmen geht. Also um Denkanstöße, die einen „Aha“-Effekt und eine individuelle Erleuchtung auslösen. „Es klingt vielleicht ein bisschen naiv, aber wir sehen uns als Band der einfachen Leute. Und wir wollen ihnen etwas geben, das sie weiterbringt und ihnen neue Möglichkeiten aufzeigt. Eben genauso, wie es früher Woody Guthrie und Peter Seeger getan haben. Sie haben über Dinge gesungen, die wichtig waren. Aber sie haben sich nicht zur Marionette der Politik machen lassen. Genau da möchte ich hin.“ Ein vorbildlicher Ansatz.