Plattenladenwoche 2012
 
 
  
 
 
 
 
 
 
  
  
  
  
  
  
 
 
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Amy Macdonald
 
 
Life In A Beautiful Light
 
 
 

Hört man Amy Macdonalds drittes Album 'Life In A Beautiful Light', könnte man meinen, das Leben sei stets völlig unbeschwert: Heile-Welt-Refrains, fröhlich vorwärts galoppierende Melodien und Streicher versüßen die Stücke. Wo andere in bester Songwriter-Manier die eigenen Wehwehchen thematisieren, genießt die Schottin die Leichtigkeit des Seins: „Ich finde schöne Momente wesentlich inspirierender als irgendwelche Dramen.“ Zu „Across the Nile“ etwa spornte eine Fernsehreportage die 24-Jährige an: „Als ich sah, wie die Ägypter nach dem Sturz ihres Präsidenten Mubarak getanzt und gelacht haben, hat mich das sehr bewegt. Ich musste einfach ein Lied über ihre Euphorie schreiben.“

Solche Sätze sind nicht bloß dahingesagt, das merkt jeder, der die Sängerin trifft. Beim Interview in einem Berliner Hotel versteckt sie sich nicht hinter einer coolen Popstar-Fassade. Sie ist ganz sie selbst. Statt rumzuzicken, punktet sie mit ihrer Natürlichkeit: „Die Allüren einer Mariah Carey wären mit total peinlich, weil ich ein bodenständiger Mensch bin.“ Das spiegelt sich auch in ihrer Musik wider. Ihr unprätentiöser Folkrock rückt ihre dunkel getönte Stimme in den Vordergrund. Mal hört sie sich an, als wolle sie sich vom Blues mitreißen lassen, dann verschiebt sie die Koordinaten in Richtung Pop. Sie nutzt ihr Potenzial jetzt deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. So schafft sie es, charttauglich zu sein, ohne dabei die Qualität ihrer Midtempo-Songs zu verraten.

Völlig zu Recht ist die Verlobte des Ex-Fußballprofis Steve Lovell sehr zufrieden mit ihrem jüngsten Werk: „Ich habe es ohne Druck aufgenommen“, erklärt sie. „Komponiert habe ich bloß, wenn ich wirklich Lust dazu hatte. Das fühlte sich überhaupt nicht wie Arbeit an.“ Sollte es auch nicht. Schließlich hatte sich Amy Macdonald eine Auszeit gegönnt. Sie reiste nach Dubai, machte daheim in Glasgow ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem Hund, traf ihre Freunde oder jubelte im Stadion den Rangers zu. Ihre Fußballbegeisterung brachte sie auf die Idee, sich in der Nummer „The Green And The Blue“ mit der Rivalität zwischen ihrem Lieblingsverein und Celtic auseinanderzusetzen: „Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns sportlich fair miteinander messen. Ohne Hassgefühle.“

Diesem Motto fühlt sich die Künstlerin auch in anderen Bereichen verpflichtet. Sie stänkert auf ihrer CD nicht herum, sondern erweist sich als geschickte Beobachterin. Zumeist nimmt sie ihre Umwelt ins Visier – wie in „Left That Body Long Ago“, das die Alzheimer-Erkrankung ihrer Großmutter aufgreift. Sie muss regelrecht gezwungen werden, in ihren Titeln gelegentlich etwas von sich preiszugeben: „Ich bin halt keine spannende Person. Entweder trete ich auf, oder ich treibe durch den total banalen Alltag.“ Das ist ziemlich sicher tiefgestapelt. Aber Amy Macdonald hat eben ein Faible für britisches Understatement und will sich keinesfalls auf die Celebrity-Schiene setzen lassen: „Ginge es nach mir, dann würde ich allein als Musikerin wahrgenommen werden.“

 
 
(Dagmar Leischow)
 
 
 
 
 
 
VÖ Datum:
08.06.2012
 
 
EAN Code:
0602537036028
 
 
Artikelnummer:
3703602