Wären wir in England, dann wären sie das „next big thing“. Kraftklub aus Chemnitz – oder wie sie selbst gerne sagen „aus Karl-Marx-Stadt“ – erleben gerade das, was man einen echten Hype nennt. Bisher haben sie nur eine EP mit dem Titel 'Adonis Maximus' auf dem Markt, doch die reichte, um die Clubs in der gesamten Republik zum Kochen zu bringen. Das Konzert im Hamburger "Übel und Gefährlich" war in kürzester Zeit ausverkauft. Die Show setzte ein Ausrufezeichen hinter den Hype und bestätigte live auf der Bühne, was manche Jubelarien von Konzertbesuchern im Vorwege versprachen. Denn Kraftklub verstehen es ihr Publikum zu unterhalten und die Stimmung anzuheizen.
Dass ihr Musikstil fast ein wenig zu spät kommt in Zeiten, in denen Dubstep und Elektropunk der letzte Schrei sind, stört sie und ihre Fans nicht. Punkiger Rock funktioniert halt immer. "Wir wollen einfach nur spielen und Spaß haben", erzählt Sänger Felix Brummer im amm-Interview, "die Karriere ist nicht durchgeplant." Die Zutaten ihres Erfolgs haben sie sich - musikalisch gesehen - fleißig zusammengeklaut. Vor allem hört man eine große Portion Schweden-Rock im Stil von The Hives und Mando Diao heraus. Aber auch Combos wie The Vines dürften Pate gestanden haben. "Ich erzähle jetzt nicht, was unsere Einflüsse sind", winkt der Frontmann ab, "das ist das Langweiligste was es gibt. Außerdem hört man es doch auch ganz genau."
Von den Hives haben sie sich auch ein stückweit die Attitüde abgeschaut. Uniformiert in Baseball-Jacken mit auf Übergröße aufgeblasenen Egos stehen sie auf der Bühne und bleiben doch sympathisch. Das Betonen des eigenen Könnens kommt vor allem in Hip-Hop-Kreisen gut an. "Abgesehen von mir selbst hat aber in der Band keiner was mit Hip-Hop am Hut", so der Sänger, "ich verstehe das auch nicht, warum vor allem Rapmagzine so oft über uns berichten. Aber warum nicht?" Kritiken über das eigene Tun lese die Band eigentlich sowieso nicht mehr: "Lasst sie reden, wir machen unser Ding." Nur ein Mal schaute er in einen Artikel und musste dort lesen, dass seine Band "anstrengend clevere Atzenmusik für Besoffene" mache - "das hat mich dann schon irgendwie getroffen".
Im Opener "Eure Mädchen" des am 20. Januar erschienen Albums 'Mit K' geben die Karl-Marx-Städter die Antwort "Wir sind nicht Tocotronic und wir sind nicht Die Sterne, wir sind so wir sind und klingen wie wir klingen, auch wenn die Indie-Polizei-Sirene blinkt" und fügen dann im Refrain das an, was vielleicht so manche Kritiker am meisten stört: "Wir sind nicht wie die anderen Jungs, aber eure Mädchen tanzen mit uns". Das Konzert in Hamburg bewies, dass sie mit dieser Behauptung Recht behalten und das Album unterstreicht, dass es sich bei Kraftklub nicht um eine Eintagsfliege handeln muss. Fast bescheiden sagt Felix Brummer: "Ganz ehrlich? Wir machen einfach weiter. Von einem Hype merken wir selbst ja nichts, davon hören wir immer nur."