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Lana Del Rey
 
 
Born To Die
 
 
 

Seit Anfang November dominiert „Video Games“ die globalen Single-Charts – und die Stimme dahinter, die auf den mystischen Namen Lana Del Rey hört, ziert inzwischen mehr Titelbilder als jeder andere Popstar der Gegenwart. Trotzdem wissen wir nicht wirklich viel über die Dame. Und das ist gut so: Denn die 25jährige gibt der Musik die Mystik zurück.

Wir wollen alles auf dem Präsentierteller: Wie lange Madonnas Frühstückseier gekocht werden, welche Schuhgröße Rihanna hat, mit wem sich Katy Perry nach ihrem Ehe-Aus trifft und wie das Baby von Beyoncé und Jay-Z aussieht. Einfach, weil wir durch Internet und Boulevardpresse so auf Banalitäten geeicht sind, dass wir das Wesentliche vergessen: Die Musik. Und die ist bei den oben Erwähnten eh nur Teil des Gesamtkunstwerks. Ganz anders liegt der Fall bei einer jungen Dame aus Lake Placid, die eigentlich auf den Namen Elizabeth Grant hört, ihre (selbst geschriebenen) Songs als oberste Priorität erachtet bzw. tunlichst darum bemüht ist, den medialen Fokus nicht zu sehr auf Image, Privatleben oder Background zu legen.

So weigert sie sich standhaft, ihren Künstlernamen (Lana Turner trifft den Ford Del Rey) zu erklären, wehrt ihren 50s Look als Betriebsunfall ab („Ich habe einfach die Figur“) und verrät auch nicht, wer der männliche Protagonist in ihrem Ohrwurm ist. „Nur soviel: Es war der erste Mann, mit dem ich eine richtig intime Beziehung geführt und sogar zusammen gelebt habe. Mit dem ich alles geteilt, und bei dem ich mich wahnsinnig geborgen gefühlt habe. Deswegen auch die Zeile ´heaven is a place on earth with you.´ Einfach, weil es eine tolle Zeit war. Nur: Das wird leider komplett falsch verstanden.“ Eben als Stück, das die Lust am Schmerz und an der Erniedrigung preist - weil Lana während der epischen Spieldauer von fünf Minuten komplett vernachlässigt wird, und auch noch gefallen daran findet. Was – um den Eindruck noch zu verstärken – mit einem sphärischen, tiefromantischen Stück Pop Noir unterlegt ist.

Eine sentimentale Gefühlsduselei in der Manier von Mazzy Star oder Nancy Sinatra, die ihr prompt den Ruf der Retro-Sängerin beschert, was Lana entschieden zurückweist: „Ich mag die 50er und 60er. Aber es ist nicht so, als würde ich darin schwelgen oder mir diese Zeit zurückwünschen. Denn auch da gab es ziemlich viel, was nicht wirklich toll war, und wer mein Album in seiner Gesamtheit hört, stellt fest, dass ich da noch andere Sounds auffahre.“ Wie etwa R&B und Soul, New Wave oder auch opulenten Orchester-Pop, den sie genauso stilvoll und gekonnt rüberbringt, wie ihren allgegenwärtigen Ohrwurm, und dabei auch mehr Humor und Optimismus beweist, als es der Titel ´Born To Die´ vermuten lässt. „Das ist mein Lieblingssong des Albums – deshalb habe ich ihn zum Titel gemacht. Mehr nicht. Es ist nicht so, als ob ich depressiv wäre. Im Gegenteil: Ich bin ein sehr fröhlicher Mensch. Ich lache gerne, ich liebe es zu reisen und gute Filme zu sehen. Nur: Ich möchte nicht berechenbar sein. Und ich mag es, wenn Musik etwas Mystisches hat – wenn sie Gefühle freisetzt, Fragen aufwirft und zum Nachdenken verleitet. Das passiert heute viel zu selten.“ Wohl wahr…

 
 
(Marcel Anders)
 
 
 
 
 
 
VÖ Datum:
27.01.2012
 
 
EAN Code:
0602527910246
 
 
Artikelnummer:
2791024