Die Freude, die Erlösung im Arm eines Fremden zu finden - wo das funktioniert? In Las Vegas natürlich, der Stadt, in der die Bürgersteige genau so glänzen wie die Träume und in der die roten und die schwarzen Zahlen auf dem Bankkonto so nah beieinander liegen wie auf dem Spietisch. Wer Killers-Fan ist weiß, dass Brandon Flowers hier herkommt. Und wer ein bisschen was über ihn gelesen hat, kann sich denken, dass seine Beschäftigung mit der Glücksspiel-Hauptstadt Amerikas eine ist, die eher über Reibung als über Glorifizierung vonstatten geht. Dem Hörer soll's recht sein - im Prinzip macht Flowers, der frank und frei zugibt, dass sein Solo-Debüt `Flamingo´ auch ein Killers-Album hätte werden können, dort weiter, wo deren Großwerk "Sam's Town" endete: Zu elegischem 70er-Rock erzählt er Geschichten vom Leben in der großen Stadt, von zerplatzen Hoffnungen, von verlorenen Lieben. Dass die Melodiebögen U2 rezipieren, dass in Songs wie "Jilted Lovers & Broken Hearts" oder "Was It Something I Said" kurz mal Bruce Springsteen die Hand zum Gruß erhebt, verwundert also ebenso wenig wie die recht aufgeräumte Produktion. Die Kombination aus beidem ist es, die `Flamingo´ zu einer ebenso angenehmen wie eingängigen Platte macht.