Die Cartoon-Pop-Utopie
Drei Alben in 10 Jahren. Alle mega-erfolgreich. Und aufgenommen von Animationsfiguren, hinter denen sich viele wohlklingende Namen verstecken. Klingt spannend? Ist es auch!
Zumal sich die Macher des gezeichneten Quartetts, Blur-Sänger Damon Albarn und Cartoonist Jamie Hewlett ('Tank Girl'), an einer Geheimniskrämerei ersten Grades vergehen. Erst führen sie die Medien gezielt in die Irre ("wir haben uns getrennt", "wir drehen einen Film"), dann hüten sie ihren dritten Streich wie ein Staatsgeheimnis, und schließlich übertragen sie sämtliche Interviews ihrem Bassisten Murdoc Niccals - einem Cartoon-Charakter. Was schade ist, weil 'Plastic Beach' viele Fragen aufwirft. Etwa, warum die Beteiligten ein so erfolgreiches Projekt (12 Millionen verkaufter CDs) nicht stärker forcieren. Aber auch, was es mit ihrem neuen HQ auf sich hat: Plastic Beach ist eine Insel aus nicht recycelfähigen Abfällen unserer Zivilisation, die irgendwo im Süd-Pazifik liegt - und auf der 16 Songs entstanden, die an Schrulligkeit kaum zu überbieten sind. Da wird mit Dub, Funk, Westküsten-Psychedelia, Disco und HipHop experimentiert, große Orchester-Arrangements treffen auf synthetischen Minimalismus, bissige Gesellschaftskritik "Superfast Jellyfish" gesellt sich zu ausgelassener Partylaune ("Stylo") und die Gästeliste strotzt mit Namen wie Snoop Dogg, Bobby Womack, Mos Def, De La Soul, Mark E. Smith, Lou Reed sowie Mick Jones und Paul Simonon (The Clash). Wer das live erleben will, muss reisen: Ende März gastieren die Gorillaz in Dubai, Mitte April in der kalifornischen Wüste.