
Der Anti-Star
Amy Macdonalds Erfolgsrezept ist denkbar einfach: Die 22jährige Schottin setzt nicht auf gewagte Outfits und sexy Image - sie macht einfach gute Musik. So auch auf ihrem neuen, zweiten Album 'A Curious Thing'.
Das sich, wie sie mit breitem Lächeln zugibt, schlichtweg als Fortsetzung ihres Debüts 'This Is The Life' von 2007 versteht. Mit zwölf Stücken, die wieder auf verträumten, mädchenhaften Gesang, auf starke, eingängige Melodien und auf viel Gitarre statt klebriger Keyboards setzen. "Es ist nicht so, als ob ich mich selbst kopiere, aber ich bleibe bei meinem Sound. Und ich verstehe auch nicht, warum man den Ansatz, mit dem man so viele Leute erreicht hat, nicht weiterführen darf. Also warum sich alle wer weiß wie verändern und neu erfinden müssen - selbst wenn das am Geschmack des Publikums vorbei geht. Deshalb mache ich da auch nicht mit." Im Gegenteil: Aufgenommen in den Black Barn Studios im britischen Ripley, variiert Amy lediglich das Tempo, intoniert mal gefühlvolle Balladen, mal eingängige, beschwingte Popsongs, liefert sich ein Duett mit ihrem Überhelden Paul Weller und widmet sich einmal mehr ihrem lyrischen Lieblingsthema: Beziehungen aller Art. "Es ist nicht so, als ob ich eine Expertin wäre", kichert sie, "aber ich habe viele Freundinnen, die alles mögliche erleben und mich immer auf dem neuesten Stand halten. Allein dadurch habe ich genug Stoff für meine Songs, die insofern auch weniger von mir handeln."
Dabei gäbe es da einiges zu erzählen: Seit 2008 ist sie mit Steve Lovell, Stürmer beim schottischen Fußballclub Patrick Thistle, liiert, will ihn auch irgendwann heiraten und verdient - das gibt sie ungeniert zu - nebenher gutes Geld mit ihm. "Ich habe neulich 2000 Pfund gewonnen, weil ich gewettet habe, dass er das erste Tor im Spiel gegen Glasgow Rangers schießt. Gegen die trifft er immer - und das hat er auch diesmal getan. Insofern kann ich mich wirklich auf ihn verlassen, was ja die beste Voraussetzung für eine Ehe ist." Wobei Amy betont, dass sie nicht vorhabe, zur typischen Spielerfrau zu werden - genau so wenig wie zur neuen Lady Gaga. Denn obwohl sie zehn Kilo abgenommen hat, mehr Make-up und schwarz gefärbte Haare trägt: Auf ihrer kommenden Tour, die im Mai startet, wird sie weiter das Mädchen mit akustischer Gitarre, Lederjacke und Jeans sein - einfach, weil ihr alles andere überzogen und falsch erscheint: "Ich habe mal in derselben Maschine gesessen wie Lady Gaga - auf einem einstündigen Flug nach Schweden. Dabei ist sie drei Mal zur Toilette und hat ihre Perücke und ihre Klamotten gewechselt - bis auch der letzte an Bord wusste, wer sie ist. Da kann ich nur sagen: Das ist absolut lächerlich. Und: So etwas würde ich nie tun - weil es mir zu peinlich wäre. Ich trage auf der Bühne dasselbe wie auf der Straße. Eben Sachen, in denen ich mich wohl fühle und nicht angestarrt werde, als käme ich vom Mars. Was wiederum dafür sorgt, dass ich kaum erkannt werde. Die Leute wissen zwar, wie ich klinge, aber nicht wie ich aussehe. Ich hoffe, das bleibt so."