HAPPY END AUF HELGOLAND
Geschlagene sieben Jahre für ein Album? Das sind fast Pink Floyd-Dimensionen. Doch in der Welt von Robert Del Naja und Daddy G bedeutet Zeit wenig. Hauptsache, die Kunst stimmt. Und die führt diesmal auf eine winzige Insel in der Nordsee.
Eigentlich ist Grantley Marshall die Ruhe in Person. Aber bei einem Thema geht der 50-jährige Hüne, der wahlweise auf Daddy G oder einfach G hört, dann doch in die verbale Defensive. Nämlich, wenn es um die behäbige Arbeitsweise des Duos aus Bristol geht. Sprich: Um die sieben Jahre, die zwischen dem letzten Album '100th Window' und dem neuen Werk 'Heligoland' liegen. Und in denen sie in den Augen von Kritikern wie Fans nicht sonderlich aktiv waren. „Hör mal, wir haben Familien, Kinder und Häuser. Da können wir es uns gar nicht leisten, auf der faulen Haut zu liegen. Was wir auch nicht tun. Sondern wir haben regelmäßig live gespielt, eine Best Of veröffentlicht, diverse Nebenprojekte eingeschoben und drei bis vier Anläufe gebraucht, was diese CD betrifft. Einfach, weil wir mit dem, was wir hatten, nie besonders glücklich waren. Deshalb haben wir nach der letzten Tour etliche Songs umarrangiert."
Eine endlose Geschichte, wenn auch mit Happy End. Denn 'Heligoland', das Ergebnis des Studio-Marathons, enthält zehn Stücke, die zwar weiter auf Samples basieren, aber doch ausgesprochen organisch klingen. Mit starken Anleihen bei Jazz, Dub und Psychedelia, einer düsteren Grundstimmung und spannenden Klangeffekten, die von Circus-Tönen über Orchester-Pathos bis hin zu pulsierenden Beats und atmosphärischen Chören reichen. Kurzum: Ein dichter Klangteppich, der das Kopfkino zum Glühen bringt und zudem viele illustre Gastauftritte birgt. Etwa von Damon Albarn, Tunde Adebimpe (TV On The Radio), Martina Topley-Bird oder Hope Sandoval (Ex-Mazzy Star), von der sich Grant tief beeindruckt zeigt. „Eine tolle Frau. Und was für eine Stimme. Mann, für die würde ich alles tun. Wenn sie nur nicht so schüchtern wäre. Also, die kriegt ja kein Wort raus." Wobei die Liste derer, die es trotz besserer Kommunikation nicht aufs Album geschafft haben, sogar noch länger ist. Darunter Patti Smith, David Bowie, Tom Waits oder Mike Patton von Faith No More. „Wir haben drei Stücke mit ihm aufgenommen, die aber nicht fertig sind. Also, wir wissen, dass da etwas fehlt, aber eben nicht, was. Insofern müssen wir da noch mal ran."
Bleibt der ungewöhnliche Titel des 5. Massive Attack-Werks, der sich laut Robert tatsächlich bei der deutschen Nordseeinsel Helgoland bedient. Einfach, weil der 44-Jährige, der nebenher als begnadeter Maler und arrivierter Soundtrack-Komponist gilt, darin ein utopisches Ideal erblickt: „Sie liegt völlig ab vom Schuss, ist nur schwer zu erreichen und weist eine bewegte Geschichte mit heidnischen Wurzeln auf. Für mich klingt das wie ein Traum. Und weißt du was: Wir werden da ein Festival veranstalten: Zwei Tage lang - mit Musik, Kunst und Fußball-Übertragungen von der WM. Das wird bestimmt ein Riesenspaß." Kein Zweifel - bei der Mischung ...