Rau in der Stimme, zart in den Gefühlen
Anders als ihre norwegischen Sangeskolleginnen, die einen eher intellektuell skandinavisch-europäischen JazzFolkPop-Crossover-Stil pflegen, macht Kristin Asbjørnsen keinen Hehl aus ihrer Neigung zu amerikanisch geprägtem Songgut. Auf ihrem zweiten Soloalbum 'The Night Shines Like The Day' stehen ihre Lieder ganz in der Tradition großer Jazz-, Gospel- und Pop-Vorbilder, ohne dass man das Gefühl hat, dass sich die 37-jährige Künstlerin an das Oeuvre bekannter Namen anbiedert.
Asbjørnsen hat genügend eigenes, unverwechselbares Potenzial, um sich nach ihrem Solodebüt mit 'Wayfaring Stranger' endgültig als großartige Interpretin in eigener Sache zu reüssieren. Ihre ausdrucksvollen und faszinierend schönen Songs, die in geniale, überwiegend sehr ruhige und zugleich dennoch sehr intensiv auftrumpfende Arrangements verpackt sind, spiegeln die vielfältigen musikalischen Erfahrungen wider, die die Norwegerin im Verlauf ihrer rund fünfzehnjährigen Karriere machte. Mit ihrer oftmals rau klingenden Stimme, die in reizvollem Kontrast zu ihren sanften, wunderschönen Melodien steht, offenbart Asbjørnsen eine Einfachheit und warme Intensität, aus der Songs wie das berauschende "Afloat" oder das Reggae-lastige "Walk Around Me" resultieren.